Hettstedt-Online

Bis 2025 ein besseres Hettstedt

Elitäre Jugend fordert Autokino und Sonderrechte beim Parken

| 4 Kommentare

Bereits vor 1 1/2 Wochen berichtete die MZ in diesem Artikel über die ersten Ergebnisse der Zukunftsgruppe “Leitbild und Demografie-Strategie 2025″.

Die vorgestellten Wünsche und Forderungen der teilnehmenden Jugendlichen zeugen von erschreckendem Realitätsverlust.

Freunde treffen, die neusten Filme gucken und das Ganze unter Sternenhimmel: Wenn es nach den Jugendlichen in Hettstedt geht, hätte die Stadt schon längst ein Autokino.
[Quelle: MZ]

Und dieses Autokino soll auf einer grünen Wiese sein, wo man sich auch eine Decke ausbreiten könne.

Wolle man aktuell in ein Kino, müsse man bis nach Halle oder Aschersleben fahren.

 

Den Schülern des Humboldt-Gymnasiums in Hettstedt stünden bei den Gedanken an die Zukunft Hettstedts die Haare zu Berge.

Nachtrag vom Autor zu diesem Artikel

Bereits kurz nach der Veröffentlichung dieses Artikels auf hettstedt-online.eu erhielt ich von einigen Hettstedtern E-Mails, die weitergehende Informationen zu dem Artikel aus der MZ.

Dabei stellte sich heraus, dass die zuständige MZ-Reporterin das Thema “Autokino in Hettstedt” als Aufhänger für eine “Story” benutzen wollte.

In Absprache mit den Beteiligten wurde daraufhin dieser Artikel bereits entschärft, aber nicht entfernt.

Nach weiteren Informationen zu diesem Thema habe ich mich nun entschlossen, den Artikel um meine Meinung zur Thematik Autokino zu kürzen.

Dies hat nichts damit zu tun, dass ich nicht zu meiner Meinung stehen, sondern ist fehlenden Hintergrundinformationen geschuldet.

Es ist erschreckend, wie Reporter aus einem achtlos in den Raum geworfenen Satz eine Geschichte wie diese entwickeln.

Zwar mögen gute und innovative Absichten der Reporterin der Grund dafür sein, jedoch wurden die negativen Sichtweisen vieler Hettstedter auf den MZ-Artikel “Jugend hat Sehnsucht nach einem Autokino in Hettstedt“, wie auch bei den Kommentaren zu dem Artikel auf der Seite der MZ selber, völlig außer acht gelassen.

Ein Thema, das in Hettstedt polarisierte, auch sofort Aktionen von Verantwortlichen veranlasste, und nicht den tatsächlichen Wünschen der Jugend entspricht.

Es ist sehr erschreckend, wie ein Thema ausgenutzt wird, um für Diskussionen zu sorgen.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, mich bei den betreffenden Personen, die sich durch meine geäußerte Meinung verletzt fühlten, zu entschuldigen.

Eine weitere Forderung einer Schülerin des Gymnsasiums sind kostenlose Parkplätze für die Schüler. Schließlich könne sich keiner der Schüler jeden Tag ein Parkticket leisten, um die kaum 5 Minuten Fußweg vom kostenlosen Parkplatz an der ARGE zu sparen. Einfach eine Plakette für alle Schüler, dass Sie mit Ihren Autos kostenlos an der Stadtmauer in Hettstedt parken dürften, schon wäre das Problem gelöst.

OK, das Demografieproblem gelöst. Mit kostenlosen Parkplätzen für Gymnasiasten. Damit sie die ca. 700 m vom kostenlosen Parkplatz bei der Arge nicht mehr laufen müssen.

Mein Schulweg als Gymnasiast dauerte etwa 30 Minuten, wobei ich 10 Minuten mit der Bahn fahren und ca. 20 Minuten laufen musste.

1997/1998 wäre niemand meiner Mitschüler auf die Idee gekommen, kostenlose Parkplätze direkt vor der Schule zu fordern, damit man sich ein paar hundert Meter Fußweg spart.

In dem Zusammenhang: Wo sollen dann die Menschen im Hettstedter Stadtzentrum parken, die dort arbeiten oder einkaufen?

Im weiteren wurde darauf hingewiesen, dass in den umliegenden Wäldern mehr Anlaufpunkte nötig wären, damit Mütter mit ihren Kindern spazieren gehen und sich auf aufgestellten Bänken mit Anderen treffen könnten.

Hier geht es jedoch nicht darum, dass die Mütter keine Anlaufpunkte in den Wäldern um Hettstedt haben, sondern schlicht und einfach keine Möglichkeit dorthin zu gelangen.

Die Schüler scheinen nicht zu verstehen, dass nicht jede Mutti in Hettstedt von ihren Eltern ein Auto geschenkt bekommt. Ein Auto kostet Geld, in der Anschaffung und im Unterhalt.

Geld, dass die Schüler in den meisten Fällen nicht selbst verdienen.

Und Geld, das viele junge Mütter wegen der hohen Arbeitslosigkeit in Hettstedt auch nicht verdienen.

Schonmal mitbekommen, dass es mitunter in den Wäldern um Hettstedt für Kinder recht gefährlich ist? Die Spazierwege werden nämlich sehr gern von Motorrad- und Autofahrern genutzt, oftmals können Mütter und Kinder sich nur damit in Sicherheit bringen, dass sie sich ganz nah in die Büsche drücken, damit die Autofahrer ja vorbeikommen.

Am 8. März wurde beraten, welche dieser Ideen umgesetzt werden soll.

Auf alle Fälle möchte der Demografieexperte weiterhin eng mit den Hettstedter Jugendlichen zusammenarbeiten und ihre Ideen zur Stadtentwicklung Hettstedts kennen lernen.

In dem MZ-Artikel wurde immer wieder nur allgemein auf die Hettstedter Jugendlichen hingewiesen.Tatsächlich geht es hier aber nur um die Gymnasiasten des Humboldt-Gymnasiums, und auch hierbei wohl nur um einen ausgewählten Kreis.

Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wieviele der Teilnehmer dieser Befragung denn tatsächlich in Hettstedt wohnen.

Und wieviele von diesen dann auch in Hettstedt eine Ausbildung machen werden und hier leben und arbeiten werden.

Wenn denn die MZ sich nur auf die Wünsche dieser Gymnasiasten bezieht, dann sollte dies auch so gedruckt werden. Außenstehende kommen sonst auf die Idee, dass die gesamte Hettstedter Jugend degeneriert wäre.

An die Zukunftsgruppe “Leitbild und Demografie-Strategie 2025″ und die Lokalpolitik

Wenn man kinder- und jugendfreundlichste Stadt werden will, dann sollte man die befragen, die es betrifft. Und nicht einen kleinen elitären Kreis, der in 2025 nicht mehr in Hettstedt leben wird.

Fragt verdammt nochmal die Kinder in Hettstedt. Fragt alle Jugendlichen in Hettstedt. Und fragt die Eltern der Kinder in Hettstedt.

Dann werdet Ihr erfahren, was Ihr in den letzten 20 Jahren falsch gemacht habt und was es jetzt zu verbessern gibt.

Und: Nicht unbedingt die Floskeln von “ein paar Jugendlichen” wie Autokinos und kostenlose Parkplätze sind für die Zukunft wichtig.

Es ist die Wirtschaft, die darüber entscheidet, ob Hettstedt ab 2025 noch lebt, oder nur ausstirbt.

Ein paar Vorschläge von Hettstedt-Online.eu

Wie wäre es beispielsweise mit kostenlosen Internetanschlüssen für Jugendliche? Nur, damit sie mit dem Tempo außerhalb von Hettstedt Schritt halten können.

Internet-Hotspots an geeigneten Stellen in der Stadt? Würde Hettstedt um einiges attraktiver machen und eventuell auch fortschrittlichere Technologien nach Hettstedt ziehen.

Die Beschneidung des Mitspracherechtes des ohnehin zu großen Stadtrates von Hettstedt, damit es zukünftig keine 9 Monate langen Diskussionen mehr gibt, ob Investoren gewünscht sind, wie im Fall des Solarpark Hettstedt.

So, wie das Problem mit Hilfe der Hettstedter Gymnasiasten, wird sich das Gesellschaftsproblem in Hettstedt nur weiter verschlimmern.

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4 Kommentare

  1. Hallo Herr Ulrich,
    erst mal muss ich sagen eine sehr Interessante Seite haben Sie hier, hab ich in der Form, für unsere Stadt, noch nicht gesehen, weiter so.

    Als ich damals die Forderung nach einem Autokino zum ersten mal gehört habe kam mir das auch sehr eigenartig und Weltfremd vor, nun muss ich aber sagen das Ihre vehemente Kritik an den Jugendlichen zum Teil unangebracht ist bzw. die Wortwahl etwas drastisch ist.

    Ein Autokino lässt sich einfacher realisieren als man denkt, mittlerweile gibt es Dienstleister die das Equipement vermieten, selbst die Leinwand kann man sich ausleihen, so fallen schon mal die Anschaffungskosten weg siehe airscreen.com, man braucht nur einen großen Platz und vor allem Zahlende Kundschaft.

    Natürlich ist die Sache mit den Parkplätzen vor der Schule unangebracht, aber man sollte es als Idee nicht verteufeln, wenn sich die Jugendlichen schon mal einbringen muss man sie auch ernst nehmen und ermutigen und ggf. darauf hinweisen wenn es etwas Utopisch wird.
    Die Stadt sollte an jeder Schule einen “Team” wählen welches sich dann an einem Runden Tisch mit Bürgermeister und Stadtrat trifft und die Probleme angeht, so eine Art Jugendrat.
    Weltfremde Ideen sind sicher auch dem System geschuldet, der Medialen Überreizung und so weiter, man sollte aber nicht vergessen das es noch “Kinder” sind und die haben manchmal “nen Pfurtz im Schätell”

    Wenn sich die Vision 2025 auch nur halbwegs erfüllen soll muss sich jedenfalls einiges ändern.

    • Hallo Christian,

      danke für das Lob, ich werde mir weiter Mühe geben.
      Es scheint ja auch fast schon so, als würden die Stadtoberen auch langsam mitlesen:
      Ein Thema, das ich bereits im Februar abhandelte Würden Sie Strom von Hettstedt kaufen? scheint ja nun auch im Stadtrat diskutiert worden zu sein: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1330409009618

      Sicher ist die Art, wie ich das Thema angegangen bin etwas drastisch, aber wenn ich ehrlich bin, ist meine Wortwahl noch regelrecht lieblich im Vergleich zu dem, was ich auf Grund dieses Artikels von anderen Seiten gehört habe.
      Sicher spielt hier auch ein gewisses Maß an Empörung mit, denn es kam mir tatsächlich im ersten Moment absolut unrealistisch vor.

      Wenn wir ehrlich sind hätte das Thema 2025 “kinder- und jugendfreundlichste Stadt Sachsen-Anhalts” bereits vor 10 Jahren aufgegriffen werden müssen.
      Nun ist der Zug fast abgefahren, die Karre aus dem Dreck zu ziehen bedarf riesiger Anstrengungen. Und einiges mehr, als ein Autokino und kostenlose Parkplätze.

      Ich bin mir sicher, dass 90% der Abiturienten, die sich heute das Autokino wünschen, im nächsten Jahr nicht mehr in Hettstedt sind, sondern an Unis in ganz Deutschland ein Studium anfangen werden.
      Und wohl keiner wird je wieder in Hettstedt leben.
      Warum auch? Was wird hier geboten?

      2025 ist ein heeres Ziel, aber Hettstedt wird dabei auf der Strecke bleiben.
      Für das Jahr 2035 prognostizieren Sozialwissenschaftler selbst in Großstädten einen massiven Pflegenotstand durch fehlendes Pflegepersonal.
      Wie wird das wohl hier aussehen, wo in Zeitungen heute fast nur noch Stellenanzeigen für Pflegepersonal oder Umschulungen zur Pflegekraft zu finden sind?
      In Hettstedt gibt es heute schon mehr Pflegeeinrichtungen als Kindertagesstätten, Tendenz stark steigend.
      Ich denke, bereits vor 2025 wird es hier nicht genug Pflegekräfte für den hohen Bedarf geben. Und wenn Arbeitgeber aus Großstädten händeringend Leute suchen, wofür werden sich junge Pflegekräfte entscheiden? Hettstedt, wo nichts geboten wird, aber ein Autokino vorhanden ist? Oder eine Stadt wie Leipzig, Berlin, Köln, Hamburg, München?

      Natürlich läßt sich ein Autokino auch mit weniger Mitteln realisieren, jedoch ergeben sich zwei kritische Punkte:
      Zum einen die zahlende Kundschaft, das dürfte hier bereits ein Problem werden.
      Zum anderen die Zustände danach. Bei fast jeder größeren Veranstaltung in Hettstedt, bei der eine größere Anzahl Jugendlicher auf einem Haufen zusammentrifft, gibt es Schlägereien und Randale. Was zum Teil abends entlang der Bahnhofstrasse passiert und unterwegs ist, spottet jeder Beschreibung:
      Jugendliche, die während der Woche abends um 19:30 Uhr dank dem Vollrausch nicht mehr geradeaus laufen können, auf Stromkästen einschlagen, an Häuserwände pinkeln.
      Innerlich schleift man da schonmal die Axt!

      Ich bin auch dafür, Teams aus jeder Schule in Hettstedt einzubeziehen, schon allein, damit die MZ nicht mehr “die Hettstedter Jugend” ausschließlich mit Gymnasiasten gleichsetzt, sondern auch andere Sichtweisen auf den Tisch kommen.
      Und es sollten sich junge Unternehmer beteiligen, denn die sind es, die später von der Jugend als Arbeitnehmer partizipieren sollen. Und diese jungen Unternehmer sind es auch, die die Infrastruktur bilden und aufbauen können, die jungen Leuten das bietet, was 2025 benötigt wird, um zumindest genügend Pflegekräfte in der Stadt zu haben.

  2. Hallo, die kritische Sicht Ihrer Seite auf die Hettstedter Kommunalpolitik begrüße ich sehr. Allerdings sind Sie mit Ihrem “Angriff” auf die elitären Abiturienten auf dem Holzweg. Frau Thormann von der Mz schein sich in den Kopf gesetzt zu haben diese Autokinogeschichte zwanghaft als Aufhänger nutzen zu wollen! Und trägt das auf dem Rücken dieser 2 Mädchen aus, die lediglich in einen Halbsatz neben einigen anderen Ideen ein Autokino an 2,3 Sommernächten als Vorschlag zur Bereicherung der Stadt vorschlugen! Wie gesagt, Ihre Idee finde ich gut, aber solange Sie sich Ihre Meinung nur über die MZ bilden, laufen Sie Gefahr, dass Ihre Kritik sehr einseitig ausfällt.

    MFG Christian

    • Hallo Christian,
      genau dieses Thema hatte ich mit einer der Betroffenen bereits per E-mail erörtert.
      Daraufhin habe ich die Namen entfernt und den Artikel an einigen Stellen bereits entschärft.

      Zwischenzeitlich habe ich mehrfach zu dieser Thematik gehört, dass das Wort “Autokino” zu einer tollen Geschichte aufgebauscht wurde.
      Ich war mit den Betroffenen so verblieben, dass der Artikel nach den von mir gemachten Änderungen stehen bleiben kann, mit Blick auf die “Pressefreiheit”.

      Nun habe ich, dank erneutem Hinweis von Ihnen, entschieden, dass ich mich nicht auf eine Pressefreiheit berufen möchte.
      Das hat damit zu tun, dass ich zwar schreibe, aber kein Redakteur bin.

      Vielmehr möchte ich die Meinungsfreiheit für mich in Anspruch nehmen.
      Und ihn diesem Zusammenhang nehme ich mir nun die Freiheit, das ursprüngliche Thema des Autokinos aus dem Artikel herauszulassen und damit auch meinem Unmut über die Auslegung der Pressefreiheit bei der MZ Luft zu machen.
      Hört man sich bei den Hettstedtern um, ist es leider so, dass Medien wie das Fernsehen und die MZ ein hohes Ansehen genießen und für die meisten Bewohner die einzige Informationsquelle sind.

      Umso schlimmer, dass dann Storie´s wie die vom Autokino gebracht werden!

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